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Das sollten Sie über Abführmittel wissen

Wer bei Verstopfung auf Abführmittel zurückgreift, sollte auf die richtige Anwendung achten. Die wichtigsten Tipps
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 23.05.2017

Verstopfung: Steht der Darm still, bleibt das stille Örtchen ungenutzt

iStock/grandriver

Kaum ist man im Urlaub, geht es los – der Darm streikt. Der Grund: Unser Verdauungsorgan ist aus seinem üblichen Trott geraten, muss sich an die neuen Begebenheiten erst anpassen. Wie lange dies dauert, ist unterschiedlich. Ohnehin ist es von Mensch zu Mensch etwas verschieden, wie oft sich der Darm entleert. Verstopfung lässt sich nicht so einfach definieren. Harter, klumpiger Stuhl, starkes Pressen und das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben, sprechen dafür. Bestehen Probleme bei der Stuhlentleerung mindestens drei Monate lang, kann sogar eine chronische Verstopfung vorliegen. Die sollte ein Arzt abklären. Zu diesem sollten Sie auch unbedingt gehen, wenn neben der Verstopfung weitere Beschwerden auftreten oder der Stuhlgang über einen längeren Zeitraum ganz ausbleibt.

Gerade auf Reisen hilft es oft schon, ausreichend Wasser zu trinken und sich zu bewegen. Daneben gilt: Genügend Obst und Gemüse essen. Greifen Sie zu einem Abführmittel, sollten Sie sich, bevor Sie ein solches Medikament einnehmen, darüber schlau machen – am besten beim Arzt oder in der Apotheke.

Wie wirken Abführmittel?

Sie bringen die Verdauung auf unterschiedlichen Wegen in Gang. Sehr schnell wirken die Mittel, wenn Sie sie per Zäpfchen oder Einlauf (Klistier, Klysma) einführen – also über den After. Nehmen Sie die Arznei als Tablette oder Lösung ein, müssen Sie sich eine Weile gedulden. Je nach Präparat dauert es zwischen sechs und zehn Stunden bis der abführende Effekt eintritt.

Substanzen wie Paraffin oder Glyzerin gelangen meist als Zäpfchen oder Klistier in den letzten Abschnitt des Verdauungstrakts. Dort bilden sie einen gleitfähigen Film auf der Darmwand und bewirken, dass sich der Darminhalt entleert. Arzneistoffe wie Bittersalz (Magnesiumsulfat) und Glaubersalz (Natriumsulfat) wirken anders: Sie halten Elektrolyte und Wasser im Darminneren zurück und regen somit den Stuhlgang an. Ähnliche Effekte haben Lactulose und Macrogol, wobei sie nur Wasser binden und den Stuhl dadurch aufweichen.

Direkt an der Darmwand greift eine Gruppe von pflanzlichen Abführmitteln an, zu denen zum Beispiel Aloe und Sennesblätter gehören. Die darin enthaltenen Substanzen verhindern, dass Wasser und Elektrolyte von der Darmschleimhaut aufgenommen werden und fördern zugleich deren Einstrom ins Darminnere. In Folge sammelt sich vermehrt salzhaltiges Wasser im Verdauungstrakt, welches die Darmentleerung beschleunigt. Die chemischen Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat entfalten ihre Effekte auf demselben Weg.

Anders verhalten sich sogenannte Quellmittel. Wie der Name schon sagt, quellen sie im Darm auf, indem sie Wasser binden. Die Arzneistoffe vergrößern auf diese Weise den Darminhalt. Zugleich weichen sie den Stuhl quasi ein und machen ihn gleitfähiger. Allerdings kann es zwei bis drei Tage dauern, bis ein Wirkeffekt eintritt. Inhaltsstoffe aus Leinsamen oder indischen Flohsamen wirken so mild abführend. Wichtig: Unbedingt genügend trinken! Befindet sich zu wenig Flüssigkeit im Verdauungstrakt, können diese Quellmittel im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss beitragen. Wer herz- oder nierenkrank ist – und daher nur bestimmte Flüssigkeitsmengen zu sich nehmen darf –, sollte diesen Punkt bei der Auswahl eines Abführmittels ansprechen und sich vom Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Abführmittel sind meist gut verträglich. Trotzdem können sie Nebenwirkungen hervorrufen. Unter Umständen können Sie beispielsweise Blähungen bekommen oder leichte Bauchkrämpfe verspüren, wenn die Wirkung des Medikaments einsetzt.

Wichtig: Sie sollten Abführmittel nur für kurze Zeit anwenden, es sei denn Ihr Arzt verordnet sie ausdrücklich längerfristig. Denn erstens sollte bei länger anhaltenden Verstopfungen immer die Ursache geklärt werden und zweitens kann der Darm wieder träge werden, wenn Sie Abführmittel zu lange oder zu oft benutzen. Zudem bringen Wirkstoffe, die Salz im Verdauungstrakt zurückhalten, den Elektrolythaushalt des Körpers durcheinander. Bei dauerhaftem Gebrauch fehlen dem Organismus dann Mineralstoffe wie Natrium und Kalium, was zu ernsthaften Folgen – etwa Herzrhythmusstörungen – führen kann. Berücksichtigen Sie auch, dass eventuell Wechselwirkungen mit anderen von Ihnen eingenommenen Arzneimitteln möglich sind.

Tipps zur Anwendung

Halten Sie sich an die Hinweise der Packungsbeilage. Meist reicht es aus, wenn Sie das Präparat nur einmal einnehmen. Benutzen Sie ein Zäpfchen oder einen Einlauf, bleiben Sie besser in Toilettennähe. Denn die Mittel wirken sehr schnell. Bevorzugen Sie eine Tablette oder Lösung, dann am besten abends vor dem Schlafengehen einnehmen. Da die Mittel zwischen sechs und zehn Stunden benötigen, bis sie wirken, macht sich der Effekt am Morgen bemerkbar. Nehmen Sie Lein- oder Flohsamen ein, trinken Sie unbedingt genügend!

Hinweis: Einfache Tricks beugen oft einer Verstopfung vor: Ballaststoffreich ernähren, genügend Bewegung in den Alltag einbauen und ausreichend Wasser trinken.



Bildnachweis: iStock/grandriver

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